Gerade eben bin ich über den Artikel „SUPER-MAMA! DIESE 26 AUFGABEN ERLEDIGEN WIR JEDEN MORGEN“ gestolpert und weiß ehrlich gesagt gar nicht so recht, was ich davon halten soll.

Einerseits kann man es als Lobeshymne auf „die Mamas“ verstehen, die jeden Tag bereits zur Frühstückszeit heroisches leisten.
Andererseits als Armutszeugnis, daß man sich etwas derart Normales so heldenhaft und schön reden kann.

Mich würde eure Sichtweise dazu sehr interessieren. Schreibt mir doch eure Meinung in die Kommentare unter diesem Artikel oder auf unsere Facebookseite.

Super mama

Legen wir los

Bereits im ersten Absatz heisst es „26 Aufgaben erledigt eine Mama jeden Morgen! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen - eine Meisterleistung, die wir täglich hinter uns haben, bevor wir bei der Arbeit erscheinen“.

In meinem persönlichen Leben bzw. innerhalb meiner Familie sprechen wir von einer Meisterleistung, wenn wir wirklich etwas schwieriges, außergewöhnliches und vor allem nicht alltägliches geschafft/ vollbracht haben.

Entsprechend gespannt war ich natürlich auf die möglichen 26 Dinge, welche ich als schwangere Mutter von einer 2,5 jährigen Tochter täglich meisterlich verrichte, bevor ich mich in mein Büro begebe.

Hier der Link für diejenigen, die den ursprünglichen Artikel lesen möchten

Für alle anderen habe ich die 26 Dinge kurz zusammengefasst:

1. Die Kinder aufwecken
2. Ihnen beim Zähneputzen helfen
3. Und ihnen die Haare kämmen
4. Saubere Kleidung bereitlegen
5. Kontrollieren, ob die Kleidung Löcher oder Flecken hat
6. Noch schnell die Klamotten bügeln, die eines der Kinder ganz dringend und unbedingt heute anziehen muss
7. An die Termine des Tages denken, wie (Zahn-)Arzt, Optiker oder Playdates
8. Überlegen, ob Nachmittagsaktivitäten wie Musikschule oder Sportverein-Besuche anstehen
9. Die Wäsche machen
10. Das Frühstück für die Familie zubereiten
11. Brotdosen füllen oder Geld fürs Mittagessen einpacken
12. Daran denken, auch eine Trinkflasche mitzugeben
13. Sich überlegen, was es mittags/abends Gesundes zu essen gibt
14. Überlegen, ob alle ihre Vitamine/Medikamente genommen haben
15. Küchenvorräte auffüllen oder den Einkaufszettel entsprechend anpassen
16. Dafür sorgen, dass der Nachwuchs das Frühstück auch wirklich isst
17. Die Hausaufgaben durchsehen
18. Dafür sorgen, dass die Regensachen angezogen werden, falls es regnet
19. Sicherstellen, dass die Kinder ihren Turnbeutel nicht vergessen
20. Diversen Papierkram ausfüllen und unterschreiben, wie z.B. Erlaubnisse für Ausflüge
21. Die Hausaufgaben von gestern in den Ranzen stecken
22. Die Haustiere füttern, damit sie tagsüber keinen Hunger leiden müssen
23. Die Sprösslinge bei gutem Wetter mit Sonnencreme einschmieren
24. Sie auf die Toilette schicken, bevor alle zur Tür raus gehen
25. Die Kinder rechtzeitig in die Schule und die KiTa bringen
26. Wissen, ob dort Termine anstehen wie Ausflüge, Geburtstage oder Jahrestage


Ich weiß nicht wie es euch dabei geht, aber für mich war das irgendwie sehr ernüchternd. Nichts davon erinnert mich gerade an eine Meisterleistung.


Ich gebe zu, ich bin wahrscheinlich auch nicht gerade die Zielgruppe dieses Artikels. Mein Mann und ich sind beide Selbständig und haben zum Thema Leistung eventuell eine andere Einstellung.


Sicherlich nehmen diese Aufgaben Zeit in Anspruch, mehr verlangen diese mir aber auch nicht ab.

Das Thema Stress

Weiterhin heisst es „Ein Ergebnis davon ist, dass viele Mütter sich gestresst fühlen, besonders am Montag. Das sagten immerhin 85 Prozent der befragten Mamas. Kein Wunder, bei so vielen Dingen, an die sie denken müssen!“


Stress? Echt jetzt? Das ist Stress? Würde man das Wort Stress ersetzen durch „nervig“, dann wäre ich sofort voll dabei. JA ICH GEBE ES ZU: es nervt manchmal gewaltig, bis man das Kind endlich verrichtet hat.

Ab und an kotzt es mich sogar richtig an. Mal findet man keine Kleidung, manchmal macht man auch nochmal schön in die Hose. Alles schon gehabt, alles schon gesehen.

Aber Stress? Stress ist das - zumindest für mich - keinesfalls. Warum? Weil alle diese Sachen größtenteils planbar sind! Zeitmanagement sage ich da nur! Gestresst kann man meiner Meinung nach bei planbaren Sachen ja eigentlich nur sein, wenn man die Sache an sich falsch angeht.

Z.B. weil man viel zu spät aufgestanden ist, all die Dinge zeitlich gar nicht mehr schaffen kann und deswegen ins Trudeln kommt. Oder weil man sich generell zu viele Aufgaben für den Tag vorgenommen hat.

Weniger Stress durch Planung

Ich bin ein Mensch, der seinen Alltag organisieren und planen muss, um mein Mutter-Dasein und meine Selbständigkeit unter einen Hut zu bekommen. Wenn ich mich von planbaren Dingen schon stressen lassen würde, wie sollte ich denn dann erst reagieren, wenn all die unplanbaren Sachen (z.B. im Arbeitsalltag im Büro oder all die verrückten Sachen, die so ein Kind nun eben mal den ganzen Tag über anstellt) auf mich einprasseln?

Vor allem frage ich mich echt gerade, warum man viele dieser Dinge überhaupt morgens VOR der Arbeit erledigen sollte und nicht schon am Abend zuvor?

Gut, hier gilt auch wieder: das ist meine persönliche Meinung.


Wenn jemand von euch partout Abends nichts mehr erledigen möchte oder kann, dann muss es eben morgens sein. Ich selbst finde es jedoch viel entspannter, es gemütlich und ohne Zeitdruck abends zu erledigen, zumal vieles davon ja nicht wirklich lange dauert.

Wenn möglich verschieben

Was man von der genannten Liste schon am Abend zuvor erledigen könnte:

1. Saubere Kleidung bereitlegen
2. Kontrollieren, ob die Kleidung Löcher oder Flecken hat
3. Noch schnell die Klamotten bügeln, die eines der Kinder ganz dringend braucht

4. Überlegen, ob Nachmittagsaktivitäten wie Musikschule oder Sportverein-Besuche anstehen
5. Die Wäsche machen
6. Sich überlegen, was es mittags/abends Gesundes zu essen gibt
7. Die Hausaufgaben durchsehen
8. Diversen Papierkram ausfüllen und unterschreiben, wie z.B. Erlaubnisse für Ausflüge
9. Die Hausaufgaben von gestern in den Ranzen stecken
10. Wissen, ob dort Termine anstehen wie Ausflüge, Geburtstage oder Jahrestage

Bleiben gar nicht mehr so viele Aufgaben für die Zeit vor der Arbeit übrig, nicht wahr?

Zähneputzen erledigen meine Tochter und ich gemeinsam, d.h. es kann mich gar nicht stressen, da ich ja ohnehin schon Zeit im Bad verbringe. Ob nun mit oder ohne meine Tochter, macht da keinen Unterschied.

Brote kann man z.B. schmieren, während man selber ohnehin am Tisch sitz und frühstückt. Und Termine checken kann man, indem man kurz sein Smartphone rausholt und den Kalender checkt.

Nur um kein falsches Bild zu erwecken: Nein, es läuft auch bei uns früh morgens nicht immer alles glatt und ja, es kann auch mal (richtig) hektisch werden. Aber alles in allem denken wir über die meisten der genannten Punkte nicht einmal wirklich nach, da diese tief in unserer Alltagsroutine verankert sind.

Meine Meinung

Mit Sicherheit ist dieser Artikel ist mit einer Portion Augenzwinkern geschrieben und soll einfach mal einen netten großen Schulterklopfer an all die Muttis da draußen verteilen.

Nur was mich ein wenig daran stört:

Ihr dürft nicht vergessen, dass all diese Dinge normal und nichts außergewöhnliches sein sollten. Da ihr ja alle wisst, was täglich auf euch zukommt, sollte das eigentlich mehr oder weniger "nebenbei" ablaufen. 


Ausgenommen von den unvorhersehbaren Dingen könnt ihr euch problemlos darauf einstellen und euch damit eigentlich auch sehr wohl vor aufkommenden Stress schützen.

Die eigentliche Meisterleistung für mich ist nicht, wie viel wir Mütter anscheinend schon vor der Arbeit schaffen. Die eigentliche Meisterleistung ist, daß wir an guten wie an schlechten Tagen doch immer wieder die Arschbacken zusammenkneifen, um unser bestmögliches für unsere Kinder zu geben.

Und ja, dafür dürft ihr euch alle sehr sehr sehr sehr gerne auf die Schulter klopfen!!!

PS: Was ich zum Thema Zeitmanagement noch loswerden wollte

Wisst Ihr warum ich vor Alleinerziehenden so großen Respekt habe?

Während ich mich (und ich hoffe vielen von euch geht es auch so) auf meinen Mann verlassen kann (und hier stimme ich dem Artikel ausdrücklich zu: spannt eure Männer mit ein), müssen Alleinerziehende alles alleine stemmen.


Sie können sich gar keine Gedanken darüber machen, ob es nun eine großartige Leistung ist, 26 Dinge vor der Arbeit zu schaffen oder nicht. Warum? Weil es ohnehin niemand anderen gibt, dem man etwas aufs Auge drücken kann.

An dieser Stelle: Chapeau! Echt bewundernswert!

Ohne Scheiss: Ich bewundere Alleinerziehende!

Warum ich sie bewundere?

Weil diese sich alle ein System oder besser gesagt Routinen zurechtgelegt haben, wie sie ihren Tag strukturieren und organisieren. Routinen, ohne die sie all ihre täglichen Aufgaben gar nicht bewältigen könnten.


Wisst Ihr was an Routinen so schön ist - sie bewahren einen oft genug vor Stress!


So manch eine Super-Mama könnte sich davon noch eine Scheibe abschneiden ;-).

Deswegen die Frage an euch: Habt ihr euch eigentlich schon einmal Gedanken über euren Tagesablauf gemacht? Oder lebt Ihr mehr oder weniger einfach in den Tag hinein und arbeitet die Aufgaben so ab, wie sie zufällig gerade anfallen?

Falls ihr wissen wollt, wie wir Routinen innerhalb unserer Familie erstellen, dann tragt euch in unseren Newsletter ein.

Anschließend könnt Ihr euch unsere Checkliste downloaden, anhand derer ihr euch spielend einfach einen Überblick über z.B. eure Morgenroutine verschaffen könnt.

Wer weiß, evtl. wird euch dabei selber bewusst, welcher vermeidbare Stressteufel sich bei euch versteckt hat.


Eure Naomi!

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