Mütterkur Väterkur

In Deutschland sind nach momentaner Schätzung ca. 2,1 Millionen Mütter und ca. 230.000 Väter kurbedürftig. Die Auswirkungen der Corona Pandemie sind hier übrigens noch gar nicht eingerechnet, weswegen man diese Zahlen noch nach oben korrigieren sollte.


Was viele Eltern jedoch gar nicht wissen: Neben der bekannten Mutter Kind Kur bzw. Vater Kind Kur gibt es auch eine reine Mütterkur bzw. Väterkur.


Was es genau damit auf sich hat, verrate ich dir in den nächsten Zeilen. 

Was ist eine Mütterkur/ Väterkur?

Mütterkuren / Väterkuren sind für Eltern eine Möglichkeit, den Dauerstress aus Alltag, Haushalt und Partnerschaft für eine begrenzte Zeit hinter sich zu lassen.


Wie die Mutter-Kind-Kur dienen diese als Prävention und unterscheiden sich lediglich dadurch, dass Mütter oder Väter OHNE Kinder auf Kur gehen können.


Keine Kinder bedeuten oftmals auch keine Ablenkung. So liegt der Fokus ganz auf einem selbst!

Achtung: Eine Mütterkur/ Väterkur ist KEINE Rehamaßnahme und wird auch NICHT beim Rentenversicherungsträger beantragt oder von diesem übernommen..

Ziel einer Mütterkur/ VäterKur

Wie auch bei der Mutter-Kind-Kur ist die Kur ohne Kind eine Hilfe zur Selbsthilfe!
Das Ziel der Mütterkur/ Väterkur ist es, dass Du gestärkt und motiviert aus ihr hervorgehst.

Durch den Abstand zu Deinem Alltag und sozialem Umfeld lernst Du mit Hilfe der therapeutischen Angebote Deinen Alltagsstress abzulegen. So ist es Dir möglich, Deine Problempunkte neu einzuschätzen, mögliche neue Grenzen zu setzen und den Alltag danach besser zu meistern.

Voraussetzungen für eine Mütterkur/ Väterkur

Anspruch auf eine Kur hat prinzipiell jedes Elternteil, das folgende medizinischen und familiären Voraussetzungen erfüllt.

Medizinische Gründe

Diese sind im Prinzip die gleichen Voraussetzungen, wie bei einer Mutter Kind Kur:

  • Starke Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Unruhe, Angstzustände
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • Magen-Darm-Störungen
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • usw.

Familiäre Gründe

Um eine Chance auf eine reine Kur für Mütter oder Väter zu haben, musst Du noch im Haushalt lebende Kinder haben. Leider gilt für diese eine Altersgrenze von - in der Regel - 17 Jahren.


Ausnahmen bilden hier Kinder mit Behinderung. Bei diesen gibt es keine klar definierte Grenze.

Therapiekonzept

Kurkliniken, die sich auf Kuren für Mütter oder Väter spezialisiert haben, behandeln Dich ganzheitlich und indikationsspezifisch. Die Therapien sind eine Mischung aus medizinischer, physiotherapeutischer und psychosozialer Anwendungen.


Der zentrale Bestandteil der Kur ist hier der Abstand zur Familie. Abseits von den alltäglichen, häuslichen Verpflichtungen kannst Du Dich auf Dich selbst konzentrieren und Deine „Baustellen“ angreifen.

Parallel zu den „normalen“ Kurgängen gibt es auch spezielle Schwerpunkte, wie z.B. Trauerbewältigung, Migräne, Mütter oder Väter die Angehörige pflegen oder Kur nach einer schweren Erkrankung.

Dauer der Kur

Eine Mütterkur/ Väterkur dauert in der Regel 21 Tage


Je nach Gegebenheit vor Ort, Zustimmung der Kasse und des Kurarztes kann der Aufenthalt eine Woche verlängert werden.

Welche Kosten kommen auf mich zu?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt sämtliche Kosten, bis auf den Eigenanteil von 10€ pro Kalendertag.

Die Fahrtkosten, Gepäckkosten und Kosten vor Ort unterscheiden sich auch hier nicht von der Mutter-Kind-Kur - hier gibt's mehr Infos.

Bei der Privaten Versicherung kommt es immer darauf an, welcher Vertrag/ Tarif mit ihr abgeschlossen wurde. Frag’ hierzu am besten bei der PV nach.

Kur Mit oder Ohne Kind? Was ist als Mutter oder Vater besser?

Was besser ist und was nicht, können wir Dir leider auch nicht beantworten. Das ist von Familie zu Familie verschieden und auch abhängig davon, warum Du die Kur brauchst bzw. warum Du auf Kur gehen möchtest. 


Wenn Du die Möglichkeit hast, dass Deine Kinder und/ oder deine Angehörigen Zuhause anderweitig betreut werden können, dann ist eine Mütterkur/ Väterkur definitiv eine Option.


Ja, ein bisschen Mut gehört auch dazu, der Familie zu sagen: „Ich gehe alleine auf Kur!“.
Jedoch kommt es im Nachhinein auch der gesamten Familie zu Gute, wenn Du wieder gestärkt und motiviert in den Alltag mit Deiner Familie starten kannst. 


Für Dich zählt schließlich nur, dass Du endlich mal abschalten und Dich nur auf Dich selbst konzentrieren kannst.


2 Gedanken an dieser Stelle:


1. Du bist ein Typ, der auch ohne Kids und Partner gut kann
Überlege nicht lange, sondern beantrage eine Kur für Dich alleine.


2. Du bist ein Typ "ohne Family geht bei mir normalerweise nichts"
Bedenke dass Du Deine Familie mind. 21 Tage nicht siehst. Wäge also unbedingt ab, ob Du aus Deiner Kur so wirklich das Beste machen kannst. Ständig Zuhause anzurufen, weil du Heimweh und „Kinderweh“ hast, bringt Dir und Deinem Kurerfolg nämlich leider nicht sehr viel, da Du mit dem Kopf ständig bei ihnen anstatt Deinen Therapien bist. 


Unser Tipp: Du bist nicht allein! Ganz viele andere Mütter oder Väter sind dann mit Dir auf Kur, denen es genau so oder ähnlich geht. Der Kontakt mit diesen Menschen kann und wird Dir gut tun und Du kannst Dich mit ihnen austauschen. 

Auch solltest du das Ganze mit deinem Arzt besprechen. Wenn dieser meint, dass Du die Probleme, die Du hast, besser ohne Kinder bewältigst, dann solltest Du Dir Überlegen, ob Du das nicht irgendwie hinbekommen kannst.

Möglichkeiten, um pflegende Angehörige oder Kinder Zuhause betreuen zu lassen

  • „Ich bin alleinerziehend und habe keine näheren Verwandten in der Umgebung, die auf meine Kinder bzw. den pflegebedürftigen Angehörigen aufpassen können?!“
  • „Der Kindsvater kümmert sich nicht um das Kind…“
  • … USW.


Keine Sorge! Es gibt Möglichkeiten, die Dir ermöglichen Dein Kind und ggf. pflegebedürftige Angehörige betreuen zu lassen.

Müssen Kinder unter 12 Jahren oder behinderte Kinder versorgt werden, trägt die Krankenkasse die Kosten. Sie zahlt – in beschränktem Umfang – auch, wenn jemand unbezahlten Urlaub nehmen muss, um die Kinder zu versorgen.

Ein Beispiel wäre die Haushaltshilfe nach SGB V, § 38.
"Während einer Kur besteht unter Umständen ein Anspruch auf eine Haushaltshilfe/ Familienpflegerin, wenn ein Kind unter zwölf Jahren im Haushalt lebt und keine andere im Haushalt lebende Person den Haushalt weiterführen kann."


Für den pflegebedürftigen Angehörigen gibt es z.B. auch die Verhinderungspflege nach § 39 SGB XI.

"Ist eine Pflegeperson wegen Erholungsurlaub, Krankheit oder aus anderen Gründen an der Pflege gehindert, übernimmt die Pflegekasse die nachgewiesenen Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für längstens sechs Wochen pro Kalenderjahr".


Konkrete Informationen erhältst Du bei Deiner Krankenkasse.

Wie und wo beantrage ich eine Mütterkur/ Väterkur?

Die Kur ohne Kinder wird - gerne durch unsere kostenfreie Hilfe - bei deiner Krankenkasse beantragt. Du hast theoretisch sogar alle 4 Jahre den Anspruch auf eine solche (bitte beachte die Altersgrenze).

Für die Beantragung benötigst Du das Attest 64 Teil A & B vom Hausarzt ausgefüllt.


Achtung: In der Regel füllt dies der Hausarzt aus, es kann aber auch jeder andere Arzt ausfüllen, wie z.B. Hautarzt, Gynäkologe, Psychologe, usw.


Im Teil B des Attestes solltest Du darauf achten, dass keine Kinder angezeigt werden und der Punkt „Mütter-Leistung“ bzw. "Väter-Leistung" angekreuzt ist.

Falls der Arzt es „zu gut“ meint und Deine Kinder mit reinschreibt, dann beantragst Du eine Mutter Kind Kur/ Vater Kind Kur, also nicht das, was Du ja eigentlich vorhattest.

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